In diesem Jahr präsentierte sich das Format in neuem Gewand. Aus dem bisherigen HEALTH INSURANCE HACK+CON, der den Hackathon stets mit einer parallelen Konferenz verband, wurde der health insurance hack:ed. Erstmals lief neben dem Hackathon kein Konferenzprogramm, sondern ein eigener Workshop-Strang: der Sprint:ed-Workshop-Tag am 3. September mit neun Sprint-Workshops in drei Themenwelten. Wer nicht die vollen drei Tage mithacken wollte, konnte sich hier gezielt Impulse und Werkzeuge holen und sich mit Branchenexpert:innen vernetzen.
Vom Kickoff bis zum Finale
Eröffnet wurde der health insurance hack:ed zum achten Mal in den Design Offices Leipzig. Zunächst gehörte die Bühne den Partnern: In kurzen Challenge-Pitches stellten die Fragesteller ihre zehn Herausforderungen vor. Danach fanden sich die Teams ad hoc zusammen, jede Fragestellung bekam ihre Mannschaft. Nach einer Stärkung ging es in die Hackspaces, wo bis tief in die Nacht getüftelt, diskutiert und gebaut wurde, tatkräftig begleitet von Coaches, die mit ganz unterschiedlichen Expertisen an der Seite der Teams standen.


Am Abend des Workshop-Tags kamen beide Welten zusammen. Bei einem gemeinsamen Get-together ließen Hackathon- und Workshop-Teilnehmende den Tag bei Essen, Getränken und viel Austausch ausklingen. Später am Abend gaben die Probepitches einen ersten Eindruck davon, in welche Richtung die Lösungen gingen, bevor die Teams die Nacht für den Feinschliff nutzten. Am Freitag, dem 4. September, lieferte dann jedes Team seinen finalen Pitch vor Fachjury und Publikum.


Neun Sprint-Workshops, drei Themenwelten
Der neue Workshop-Tag brachte Wissen aus Kassen, Beratung und Technologie an einem Ort zusammen. Die Formate reichten von konkreten KI-Anwendungen über technische Methodik bis zu Fragen von Governance und Recht und liefen parallel in den drei Räumen Arena, Lab und Hub. Dazu kam eine Keynote von Björn Degenkolbe (4K ANALYTICS).
Use Cases & Anwendung
Technologie & Methodik
Governance, Recht & Org.



Die zehn Fragestellungen und ihre Partner
Die Herausforderungen kamen aus der Praxis von sechs Partnern, von der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung bis zu Technologie und Analytik. Sie reichten von Prävention über Pflege bis zu KI, Datennutzung und Governance.
Gen D: Generation Dopamin – Von der Idee zum Scroll-Stopper Prototyp
IKK – Die InnovationskasseNachhaltige Motivation zu gesundem Verhalten
IKK – Die InnovationskasseZwischen Beruf und Pflege: Unterstützung für pflegende Beschäftigte neu denken
DAK GesundheitGemeinsam gesund – BGF-Vernetzung für Kleinbetriebe
DAK GesundheitePA als Versorgungskompass – wie gewinnen wir Versicherte für den digitalen Versorgungseinstieg?
AOK PLUSWer soll das eigentlich noch machen? – Die innovationsfähige Krankenkasse unter Ressourcen- und Regulierungsdruck
AOK PLUSVom Hype zum Helfer: Wie erstellen Fachkräfte ohne IT-Skills ihre eigenen GenAI-Assistenten?
CANCOM | IBMNicht warten, bis es nur noch weh tut – MSK neu denken
IKK classicDen richtigen Weg finden – im Alltag, in der Pflege, im richtigen Moment
IKK classicReallabor für datengestützte Prävention
4K ANALYTICSDie Preisträger
In drei Kategorien vergab die Jury ihre Auszeichnungen, dazu kam der Publikumspreis. Jedes Siegerteam durfte sich über 1.000 Euro Preisgeld freuen, vor allem aber über Lösungen, die zeigen, wie viel Innovationskraft im Gesundheitswesen steckt.
Innovativste Lösung
veya
Gute Vorsätze hat fast jeder, das Durchhalten ist das Problem. Genau dort setzt veya an. Das Team übersetzt Gesundheitswissen in konkrete Alltagshandlungen und nutzt dafür einen überraschend analogen Kniff: physische NFC-Sticker, die man abzieht, im eigenen Zuhause anbringt und per Smartphone scannt. Aus einem guten Vorsatz wird so ein kleiner, wiederkehrender Impuls, der über 60 Tage hinweg zur Routine wird. Entdecken, Mitmachen, Dranbleiben lautet das Prinzip.
Größter Nutzen für die Versicherten
Das ePA-Terminal
Die elektronische Patientenakte ist beschlossen, doch an der Registrierung und an fehlender Aufklärung scheitern bislang viele. Team E begegnet dieser Lücke mit einem niederschwelligen, KI-gestützten Zugang: einem Terminal, das die Anmeldung direkt vor Ort vereinfacht, etwa über den Abgleich von Ausweis und elektronischer Gesundheitskarte. Ein sprachgeführter Assistent mit Avatar führt barrierefrei durch die Anwendung, ausgerollt werden soll das Terminal zunächst in Apotheken. Für die Versicherten bedeutet das mehr Medikationssicherheit und eine lückenlose Krankengeschichte.
Bestes gesundheitsökonomisches Konzept
MUSKL
Muskel-Skelett-Beschwerden sind einer der größten Kostentreiber im Gesundheitssystem und häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit. MUSKL setzt an, bevor aus Verspannung ein chronisches Leiden wird. Der Früherkennungs-Coach liest aus den Routinedaten der Kasse individuelle Risiken heraus und leitet daraus konkrete Empfehlungen ab, in vier Schritten vom Erkennen über das Einordnen und einen Kurz-Check bis zum Handeln. Überzeugt hat vor allem die wirtschaftliche Tiefe: Team H rechnete mehrere Szenarien durch und wies ein jährliches Einsparpotenzial im Millionenbereich aus.
Publikumspreis
BGM Match
Betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt sich, kommt in kleinen Betrieben aber selten an, weil die nötige Mindestteilnehmerzahl fehlt und einzelne Angebote sich nicht rechnen. BGM Match löst das über Vernetzung: Eine Plattform bringt Klein- und Kleinstbetriebe zusammen, damit sie gemeinsam Gesundheitsangebote umsetzen, die für jeden allein zu groß wären. Suche, Matching und Organisation übernimmt das System, den Start plant das Team im Handwerk. Am Beispiel eines Dachdeckerbetriebs zeigte Team D, wie sich Fehlzeiten und Ausfallkosten spürbar senken lassen.
Die JuryÜber die Vergabe der drei Jury-Preise entschied eine fünfköpfige Jury: Markus Göner (IKK classic), Philip Radtke (IKK – Die Innovationskasse), Nico Richter (DAK Gesundheit), Tobias Heidler (WIG2 Institut) und Julia Thomä (AOK PLUS). Den Publikumspreis vergaben die Gäste im Saal per App-Voting.




Die weiteren Konzepte im Überblick
Auch abseits der Auszeichnungen war die Bandbreite der Ideen bemerkenswert. Sechs weitere Teams zeigten, wie viele Stellschrauben es in der Versorgung gibt.
GetALife
InnovationskasseTeam A widmete sich der digitalen Reizüberflutung. Die Grundthese: Wir haben kein Bildschirmproblem, sondern ein Ausstiegsproblem. Die App will jungen Menschen den attraktivsten Ausweg aus dem digitalen Autopiloten bieten und begleitet den Einstieg spielerisch über ein durchdachtes Onboarding samt Prototyp.
OLAF Netzwerk
DAK GesundheitTeam C stellte bewusst den Menschen in den Mittelpunkt. Statt eines weiteren Portals steht hier ein ehrenamtlicher Rentner an der Seite pflegender Angehöriger, getragen von Kassen und Arbeitgebern, angebunden an Kliniken und Praxen und im Hintergrund durch KI und Augmented Reality unterstützt. Das Konzept begleitet Betroffene von der Prävention über die akute Situation bis zur nachhaltigen Stabilisierung.
Krankenversicherung von morgen
AOK PLUSTeam F nahm die Kasse selbst in den Blick und entwarf einen KI-Agenten, der Innovationsideen operativer Mitarbeitender aufgreift, Prozesse analysiert und daraus umsetzbare Konzepte formt, damit gute Ideen nicht in der Schublade verschwinden. Ein Prototyp macht am Beispiel von Hilfsmittel-Empfehlungen sichtbar, wie viel Zeit, Geld und Wartezeit eine Automatisierung sparen kann.
KI-Lotse
CANCOM | IBMTeam G griff die Frage auf, wie aus dem Hype um generative KI ein echter Helfer im Arbeitsalltag wird. Der KI-Lotse befähigt Fachkräfte ohne IT-Kenntnisse, sich über einen geführten Prozess ihren eigenen GenAI-Assistenten zu bauen, von den Stammdaten über die Wissensbasis bis zu Governance und Freigabe. Das entlastet die interne IT und verkürzt Durchlaufzeiten.
Renate
IKK classicTeam I schickte Renate ins Rennen, einen KI-Sprachassistenten auf Basis großer Sprachmodelle. Renate führt Versicherte und ihre Angehörigen durch unübersichtliche Versorgungssituationen, etwa wenn ein Angehöriger im Krankenhaus liegt und viele Fragen zu Pflege, Hilfsmitteln und Leistungen offen sind. Die Wissensbasis speist sich aus Grundlagen des GKV-Spitzenverbands und der jeweiligen Kasse, in der Ausbaustufe Renate Pro kommen ePA-Anbindung, Kalender und Terminservice hinzu.
Reallabor Prävention
4K ANALYTICSTeam J dachte in Regularien und Datenschutz. Das Reallabor Prävention beschreibt, wie eine Kasse gemeinsam mit Partnern und unter Aufsicht Gesundheitsrisiken früh erkennen kann, freiwillig, kontrolliert und mit klaren roten Linien. Herzstück ist ein modularer Baukasten aus Einwilligung, Aufsichtsantrag, geschütztem Datenraum mit Treuhandstelle und Beteiligung der Versicherten. Den Anfang macht das Feld Herz-Kreislauf.
Ein Fenster in die Zukunft
Zehn Teams, zehn Handschriften, ein gemeinsamer Anspruch: Was in Leipzig entstanden ist, reicht von der greifbaren NFC-Idee über den datengetriebenen Präventionscoach bis zum menschlichen Netzwerk für pflegende Angehörige. Genau diese Vielfalt macht den health insurance hack:ed aus. Manche Konzepte wurden ausgezeichnet, andere setzen Impulse, die weit über das Wochenende hinaus wirken können. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden, Partnern, Coaches und Workshop-Leiter:innen, die diese drei Tage getragen haben.
Save the Date
2.–4. Februar 2028
Design Offices Post Leipzig
Wir würden uns freuen, euch dann wieder zu begrüßen, wenn es erneut heißt: Wir hacken die Krankenversicherung.
